Die Kartoffel kommt aus Südamerika und wurde 1533 von spanischen Seefahrern nach Europa gebracht. Zuerst wurde sie wegen ihrer schönen Blüte als Zierpflanze in den Gärten gehalten.
Zu Beginn des 18. Jahrhunderts als die Bevölke-rungszahlen zunahmen, die Lebensmittel knapp wur-den, zwangen Hungersnöte die Menschen dazu auch Kartoffeln zu essen. So fand sie langsam ihre Ver-breitung und siehe da, sie mundete. Zu Beginn jedoch galt sie als „Teufelszeug“ wegen der giftig-grünen Beeren des Kartoffelstrauches, die man aus Un-wissenheit gelegentlich gegessen hatte.
Um 1900 verspeiste jeder Deutsche durchschnittlich 285kg im Jahr. Mitte des 19. Jahrhunderts hatte der Kartoffelanbau derart an Bedeutung gewonnen, dass eine Missernte in großen Teilen Europas sofort zu Hungersnöten führte. Heute steht die Kartoffel hinter Weizen und Reis an dritter Stelle der meist produzierten Nahrungsmittel.
Kartoffelanbau
Die Kartoffel liebt zwar Sonne, wächst aber auch bei jedem Wetter und in jedem Boden. Bis Mitte Mai ist die beste Zeit Kartoffeln zu setzen. Sie sind Nährstoffschlinger und müssen gut gedüngten, am besten kompostierten Boden haben.
Ab Ende April kann man Saatkartoffeln ohne Vorkeimen draußen pflanzen, allerdings benötigen sie eine Mindesttemperatur von +7°C, diese ist besonders wichtig zum Keimen. Je später die Kartoffel gepflanzt wird, und keine Fröste mehr zu erwarten sind, desto höher kann sie im Boden gesetzt werden. (Normalerweise 10cm tief) Der Boden sollte stets feucht gehalten werden. Gepflanzt wird sie in einem Mindestabstand von 30 cm und einem Reihenabstand von 50cm.
Wenn man keinen Garten zur Verfügung hat und nicht auf die eigene Kartoffeln verzichten möchte, kann sie auch auf Balkon oder Terrasse gepflanzt werden. Das Pflanzgefäß sollte mindestens 5 Liter fassen. Der Reifezeitpunkt einer Kartoffel ist ganz unterschiedlich und ist von der Sorte abhängig. Früh-kartoffeln können ab Anfang Juli geerntet werden. Mittelfrühe Kartoffeln ab Mitte August Mittelspäte Kartoffeln ab Mitte September. Wenn die Kartoffeln dann eingelagert werden, sollte der Raum dunkel und trocken sein bei 5-8°C. Frühkartoffeln sollten möglichst bald verbraucht, Spätkartoffeln können über den Winter eingekellert werden.
Kartoffelschnaps
Die erste Weiterverarbeitung der Kartoffel beginnt mit dem Kartoffelschnaps, denn ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts war es üblich, die Ernteüberschüsse an Kartoffeln in Branntwein um-zuwandeln. Die erste Kartoffelbrennerei wurde 1750 in der Pfalz betrieben. Ende des 19. Jahrhunderts erreichte die Schnapsbrennerei ihren Höhepunkt. 1912/13 wurden fast 80% des Alkohols aus Kartoffeln gewonnen. Selbst Wodka ist oftmals nichts anderes als Kartoffelschnaps.
Auch in der Automobilindustrie kam der Kartoffelalkohol zum Einsatz, so fuhr das erste Automobil von Carl Benz 1886 mit diesem Alkohol. Der Viertakt-Motor hatte nur einen Zylinder mit fast einem Liter Hubraum und leistete 0,88 PS. Die „Reichskraftsprit GmbH“ brachte Benzingemische mit reinem Kar-toffelalkohol unter dem Namen „Monopolin“ auf den Markt. 1930 wurde eine Beimischungspflicht von Alkohol zu allen Vergaserkraftstoffen eingeführt. 1955/56 kam die Alkoholverwendung im Zuge der sich entwickelnden Erdölindustrie zum Erliegen.
Landwirtschaftliche Betriebe die eine Kartoffelbrennerei betrieben, kamen durch den Verkauf von Spiritus zu Wohlstand. Um einen Einkommensausgleich zu schaffen und um die staatlichen Einnahmen zu erhöhen, wurde ab 1887 unter dem ersten deutschen Reichskanzler Otto von Bismarck eine Branntweinsteuer erhoben.
Kartoffelferien
Es ist kein Wunder, dass bei der großen Beliebtheit der Kartoffel früher fast jede Familie ein Kar-toffelfeld besaß, welches je nach Größe der Familie ein dementsprechendes Ausmaß hatte. Nicht nur der Familie diente die Kartoffel als Hauptnahrungsmittel, sondern auch dem Kleinvieh wie Enten, Gänse, Ziegen, Schweine, Hühner und Kaninchen.
Sobald das Kartoffelkraut welk und trocken wurde, wurde geerntet, es gab die Kartoffelferien, heute Herbstferien. Eigentlich waren die Ferien gar keine Ferien. Die Kinder bekamen Schulfrei, weil sie bei der Kartoffelernte helfen mussten. Es war ein harter Job, der schon früh morgens begann. Die Frauen und größeren Kinder bekamen einen Kratzer und einen Korb, die kleineren Kinder halfen ihnen die Kartoffeln in den Korb zu sammeln. Auf Knien rutschten sie die Furchen entlang. Das gelbe Kar-toffelkraut wurde beiseite geworfen und mit Kratzern hackten sie die Kartoffeln aus der Erde. Wenn der Korb voll war, kamen sie in Säcke die dann zum Großen Wagen geschleppt wurden. Für einen gesammel- ten Korb gab es nur ein paar Pfennige, außerdem gab es deftig zu essen.
Die Ferien waren erst vorbei, wenn alle Kartoffelfelder leer geerntet waren, und manches Kind wünschte sich in dieser Zeit lieber in der Schule zu sein denn es war Knochenarbeit. Doch Mitleid gab es nicht.
Gärtner Heidmann empfiehlt:
Staudengärtnerei Heidmann, Dernbach bei Puderbach
In alten Gartenbüchern heißt es, dass man tunlichst bis zum Ende Oktober den Garten für den Winter aufräumt. Das heißt aber nicht nur putzen, sondern das neue Wachstum vorbereiten und Pflanzen vor Frost bewahren. Dazu nun einige Tipps:
Einige winterfeste Zwiebelpflanzen können nun eingegraben werden. Damit hat man die besten Chancen, im Frühling sich an blühende Tulpen und Narzissen im Garten zu erfreuen. Knoblauchzehen können noch bis spätestens Ende Oktober in die ungefrorene feuchte Erde gesetzt werden – vielleicht mit Laub oder Stroh darüber vor starkem Frost schützen. Frostempfindliche Knollenpflanzen müssen vor dem ersten Frost ausgegraben und an einem frostfreien, gut belüfteten Ort aufbewahrt werden. Zuvor alle Stängel über dem Boden zurückschneiden. Wenn die Stängel trocken sind empfielt es sich Dalien- und Gladiolienknollen in Sand oder Torf zu lagern. Ebenso mit dem Blumenrohr und der Knollenbegonie verfahren.
Winterharte Zwiebel- und Knollenpflanzen benötigen im Frühjahr ausreichend Feuchte. Damit die Zwiebeln reifen können ist danach ein eher trockener Boden erforderlich. Staunässe kann dazu führen, dass die unterirdischen Organe verfaulen. Man solte bei starken Frost auch etwas Stroh darüber verteilen um die Knollen zu schützen. Hier einige Arten: Anemone, Alpenveilchen, Blaustern, Herbstzeitlose, Hyazinthe, Kaiserkrone, Lilie, Märzbecher, Narzisse, Schachbrettblume, Schneeglöckchen, Schneestolz, Schopflilie, Schwertlilie, Traubenhyazinthe, Tulpe, Winterling, Pfingstrose, Zierlauch.
Mit dem Zuschnitt von Bäumen, Sträuchern und Stauden sollte bis zum Ende des Laubfalls, der sich je nach Witterung bis Ende November hinziehen kann, gewartet werden. In frostfreien Tagen kann es dann los gehen. Für Rosengewächse gilt jedoch, dass diese im Herbst leicht zurückgeschnitten werden können, der richtige Zuschnitt findet allerdings erst im Frühling statt.
Das Laub auf den Beeten dient nicht nur als Frostschutz sondern auch als natürlicher Bodenmulch ebenfalls als Lebensraum für kleine und größere Lebewesen. Jedoch auf dem Rasen sollte das Laub gesammelt werden damit er nicht erstickt. Wer kann, der sollte in seinem Garten ruhig einen Haufen aus Laub und kleingeschnittenen Ästen auftürmen. Igel zum Beispiel würden sich über ein solches Winterquartier sicherlich freuen.
Balkonpflanzen sind oft keine heimischen Gewächse, so auch meist nicht witterungsfest. Zudem sind sie auf exponierten Balkonen stark der Kälte ausgesetzt. Tröge kann man mit Noppenfolien und Jutesäcken frostfest machen, aber am besten stellt man sie zum Überwintern gleich in den kühlen Keller.
Oleander können ebenso im Keller eingelagert werden. Palmen hingegen bräuchten Licht und sollten eher im Wintergarten untergebracht werden. Das gießen vor allem beim Oleander darf dann nicht vergessen werden. Wo kein Platz zum Lagern vorhanden ist, lohnt eine Anfrage im Gärtnerbetrieb. Denn verschiedene Gärtner vermieten Treibhausflächen im Winter für Kübelpflanzen.
Hecken sollten jetzt Ende Oktober generell nicht mehr geschnitten werden. Die Zeit dafür war im September.
Bäume, verwelkte Staudengewächse und Rosen könnten problemlos bis zum März geschnitten werden. Einzige Ausnahmen sind Ahorn, Wallnuss und Birke, sie sollten nach Mitte November nicht mehr angefasst werden, da sie sonst „bluteten“.
Was man neben den Pflanzen nicht vergessen darf die Wasserleitungen zu leeren und die Wasseruhren vor Frost zu schützen. Wassertröge müssen entleert werden. Terracotta Blumenkästen und Töpfe sollten ebenso frostfrei gelagert werden, da die porösen Wandungen Wasser ziehen und dann bei Froste springen, winterfeste Keramik sollte man so lagen, das kein Wasser in den Gefäßen steht – umdrehen.
Dann dürfte eigentlich nichts schief gehen.
Bauerngärten
Ein Bauerngarten in seiner ursprünglichen Form versorgte zu früheren Zeiten die ganze Familie. Im Frühjahr konnten schnell die frühen Sorten Kohl wie Spitzkohl, Kohlrabi und Wirsing geerntet werden. Sie waren im vorangegangenen Herbst gepflanzt worden und bildeten zügig feste Köpfe. Puffbohnen wurden schon im Februar im Garten ausgesät und auch Mairübchen konnte man schon zeitig ernten. Wer keinen Garten in geeigneter Lage besaß, bediente sich in der freien Natur. Dort wuchsen im Frühjahr der heute so verachtete Giersch oder auch Brennesseln, aus denen man einen leck- eren Spinat machen konnte.
Die traditionelle Kreuzform der Bauerngärten – sie wurde von den Klostergärten übernommen – teilte ihn auf in von Wegen durchzogene vier Beete, die entweder mit Buchs oder Steinen eingefriedet waren. In ihrer Mitte befand sich oftmals ein Kreuz oder ein Brunnen als Symbol für die Lebensquelle. Gleichzeitig diente dieser zur Bewässerung der Pflanzen.
Die Buchshecken sind übrigens ein Überbleibsel der barocken Lustgärten mit ihren streng symmetrischen Anlagen. Nur wenige wissen, dass Buchs gleichzeitig auch eine Heilpflanze ist. Sie wirkt bei Rheuma und Gicht und wurde früher sogar zum Haarefärben verwandt.
Neben dem Gemüse und manchmal auch den Blumen, die auch ärmere Leute gerne anbauten, waren auch Würz- und Heilkräuter Bestandteil vieler Bauerngärten. So beispielsweise der Liebstöckel, das „Maggikraut“, das zum Würzen von Eintöpfen diente. Ebenso Beinwell, der bei Mensch und Tier als Umschlag zum Heilen von Verstauchungen verwandt oder als Brei auf schlecht heilende Wunden aufgetragen wurde, stand in jedem Garten. Er wurde auch in Brot gebacken oder als Gemüse zubereitet.





